Thema Kinderrechte

… aus Sicht des Bundesministeriums für Arbeit, Familie und Jugend (BMAFJ)

1989 wurde das Übereinkommen über die Rechte des Kindes (kurz: Kinderrechtekonvention) von der Vollversammlung der Vereinten Nationen angenommen. Der besondere Wert der Kinderrechtekonvention liegt darin, dass Kinder in Bezug auf ihre spezifischen Bedürfnisse, Problem- und Interessenlagen völkerrechtlich erstmals als eigenständige Träger von Rechten anerkannt werden. Seit ihrem Inkrafttreten im Jahr 1992 in Österreich, und in ihrer Wirkkraft durch das Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern (2011) gestärkt, werden die Vorgaben der Kinderrechtekonvention, allen voran das „Kindeswohlvorrangigkeitsprinzip“, zunehmend vom Gesetzgeber, von der Rechtsprechung und in der Gesetzesvollziehung als Leitidee und Orientierungsmaßstab aufgegriffen. Für die umfassende Implementierung der Kinderrechtekonvention in Österreich wurde 2012 ein unabhängiges Beratungsgremium, das Kinderrechte-Board, eingerichtet.

Good Practice-Beispiele

Jugend-Check

Mit der Wirkungsorientierten Folgenabschätzung („Jugend-Check“) sind alle Bundesministerien verpflichtet, Gesetzesvorhaben vorab auf ihre Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche zu überprüfen. Der „Jugend-Check“ soll langfristig eine kinderfreundliche Gesellschaft in Österreich ermöglichen.

Begleitung von Kindern bei Trennung oder Scheidung der Eltern

durch einen Kinderbeistand als Ansprech- und Vertrauensperson für Kinder in gerichtlichen Obsorge- und Kontaktrechtsverfahren und die gesetzlich verpflichtende Beratung von Eltern vor einer einvernehmlichen Scheidung.

Factbook „Kinder in Österreich“

Das Factbook „Kinder in Österreich“  stellt die Lebenssituation von Kindern in Österreich in unterschiedlichen Kontexten anhand von Daten und Fakten dar.

… aus Sicht der verbandlichen Jugendarbeit

Für zahlreiche verbandliche Kinder- und Jugendorganisationen ist die UN-Kinderrechtskonvention elementarer Bestandteil ihrer Arbeit. Das betrifft einerseits ihre pädagogische Ausrichtung und andererseits ihre anwaltschaftliche Arbeit für Kinder und Jugendliche. Insbesondere rund um den 20. November, dem Internationalen Tag der Kinderrechte, setzen viele Organisationen Jahr für Jahr einen besonderen Schwerpunkt auf das Thema.

Good Practice-Beispiele

Katholische Jungschar: „ich hab Recht!“

Mit ihrer österreichweiten Kinderrechteaktion, die jedes Jahr im Herbst stattfindet, will die Katholische Jungschar Kinder, Jugendliche, aber auch Eltern und Erwachsene über Kinderrechte informieren. Aktivitäten sind u.a. Bausteine für Gruppenstunden, Medienarbeit, Verteilaktionen, Ausstellungen und Veranstaltungen.

Kinderfreunde: „Alle Kinder haben Rechte!“

Die Kinderfreunde bieten u.a. pädagogische Materialien, ein Kinderrechte-Party-Set sowie Schulungen für MultiplikatorInnen zum Thema Kinderrechte an.

… aus Sicht der Interessensvertretung (BJV)

Die BJV setzt sich mit vielen anderen Kinderrechtsorganisationen im Netzwerk Kinderrechte dafür ein, die Kinderrechte in Österreich bekannter zu machen. Denn nur wenn junge Menschen über ihre Rechte Bescheid wissen, können sie diese auch einfordern.

In regelmäßigen Abständen berichtet das Netzwerk Kinderrechte zudem an die UNO, wie es um die Umsetzung der Kinderrechte in Österreich steht.

Die BJV ist seit vielen Jahren im Leitungsteam des Netzwerk Kinderrechte und auch im Kinderrechte-Monitoring-Board des Jugendministeriums tätig.

Good Practice-Beispiel

Medienleitfaden „Kinderrechte in der Berichterstattung“

Im Zuge ihrer Kampagne „Armut ist kein Kinderspiel“ erstellte die BJV einen Medienleitfaden. Der Leitfaden basiert auf der UN-Kinderrechtskonvention und enthält Stimmen von ExpertInnen und JournalistInnen sowie die Ergebnisse einer Medienstudie der Volksanwaltschaft über sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche.

… aus Sicht der Jugendinformation (BÖJI)

Das Hauptziel von Jugendinformation ist das Recht von jungen Menschen auf Information sicherzustellen. Weiters ist das Wissen um die eigenen Rechte und Pflichten eine der Grundvoraussetzungen für aktive Teilhabe an der Gesellschaft. Professionelle, allgemeine Jugendinformation nimmt die Kinderrechte zum Ausgangspunkt für ihre Aktivitäten und beschränkt sich daher nicht auf spezielle Themen, sondern bietet jungen Menschen einen ersten Anknüpfungspunkt bei allen für sie relevanten Fragen. Jugendinformation befähigt dabei die jungen Menschen durch aktuelle, relevante und verständliche Informationen, ihre eigenen Entscheidungen auf Basis von Wissen um ihre Möglichkeiten zu treffen und somit autonom zu handeln.

Good Practice-Beispiele

Youth Reporter-Blog auf dem Jugendportal

Das Projekt „Youth Reporter“ des Österreichischen Jugendportals gibt Jugendlichen eine Plattform, auf der sie ihre Meinung zu selbstgewählten Themen ausdrücken können. Gleichzeitig ist das Empowerment junger, angehender JournalistInnen ein weiteres Ziel des Projekts.

Jugendschutz-Publikationen

Mit Beginn 2019 haben die Österreichischen Jugendinfos, im Zuge der österreichweiten Harmonisierung des Jugendschutzes, zielgruppengerechte Informationsmaterialien mit den wichtigsten Infos zum Jugendschutz auf einen Blick herausgebracht. Zusätzlich wurde auf dem Jugendportal ein Schwerpunkt zum Thema Jugendschutz erstellt.

… aus Sicht der offenen Jugendarbeit (bOJA)

Die Kinderrechte werden im Rahmen Offener Jugendarbeit sowohl thematisiert als auch deren Einhaltung strukturell unterstützt. Sie bilden gemeinsam mit den Menschenrechten und den sozialen Grundrechten eine wesentliche Grundlage für ethisches Handeln der Fachkräfte.

bOJA als Vertretung des Handlungsfeldes der Offenen Jugendarbeit in Österreich ist Mitglied des Netzwerks Kinderrechte und an der Erstellung des „Ergänzenden Berichts“ beteiligt, welcher parallel zum Staatenbericht der Bundesregierung im Rahmen des Monitoringprozesses vor dem UNO-Kinderrechtsauschuss erstellt wird.

Einzelne Kinderrechte, wie beispielsweise das Recht auf Beteiligung haben in der Offenen Jugendarbeit den Rang eines Arbeitsprinzips. Diese beschreiben das Selbstverständnis und die zentralen Orientierungen, die allen Angeboten in der Praxis zugrunde liegen. Andere Kinderrechte, wie beispielsweise das Recht auf Bildung, Gesundheit, Spiel und Freizeit werden als Querschnittsmaterie betrachtet, und finden sich  häufig bereits in der Beauftragung Offener Jugendarbeit.

Jubiläumsveranstaltungen

Rund um das 30-Jahre-Jubiläum der UN-Kinderrechtskonvention finden in zahlreichen Einrichtungen Offener Jugendarbeit besondere Schwerpunktangebote zum Thema Kinderrechte statt.

Die Stadt Wien hat den November zum Aktionsmonat ausgerufen und einen Kalender zu den Angeboten im Kinder- und Jugendbereich erstellt.

… aus Sicht der Österreichischen Nationalagentur (NA)

Kinderrechte sind von allen EU-Mitgliedsstaaten ratifiziert und im Artikel 3 im „Vertrag der Europäischen Union“ festgehalten. Somit finden die Kinderrechte auch bei den Jugendförderprogrammen der Europäischen Union – Erasmus+ und das Europäische Solidaritätskorps – Anwendung. Dies ist vor allem bei der Teilnahme von jungen Menschen unter 18 an den geförderten Aktivitäten relevant bzw. wenn europäische Freiwillige in Organisationen mitwirken, deren Zielgruppe Kinder und Jugendliche unter 18 sind. Manche Projekte greifen Kinderrechte aber auch inhaltlich auf.

Good Practice-Beispiel

Kids wanna have FUNdamental rights

Die Kinderfreunde Mühlviertel führten gemeinsam mit sechs Partnerorganisationen eine Jugendbegegnung zum Thema Kinderrechte durch. Ausgehend von der Kinderrechtskonvention lernten die TeilnehmerInnen ihre eigenen Rechte kennen, anschließend wurden Leitprinzipien der Kinderrechte (Recht auf Gleichbehandlung, Achtung vor der Meinung des Kindes, Schutz vor Diskriminierung) vertiefend behandelt.